Die Zucht von Schildkröten

Wer eine oder mehrere Schildkröten hat, denkt nicht selten daran, diese zu züchten. Doch nur dann, wenn man über genügend Wissen und Informationen verfügt und auch gewährleistet ist, dass die Babys bei einem bleiben oder in liebevolle Hände geraten, sollte man an die Schildkröten Zucht denken.

Wenn du dir noch nicht sicher bist, ob du der Schildkröten Zucht gewachsen bist, kannst du dich hier über das Vorgehen informieren.

Voraussetzungen für die Schildkrötenzucht

Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit du Schildkröten züchten kannst. Das Wichtigste dabei ist, dass die Schildkröten artgerecht gehalten werden. Hast du schon jetzt keinen Platz, um der Schildkröte ein Freilandgehege zu ermöglichen, wie soll das dann erst werden, wenn die Babys geschlüpft sind? Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schuldkröten Zucht erfolgreich verläuft, umso wahrscheinlicher, je wohler sich die Schildkröten in ihrer gewohnten Umgebung fühlen.

Dann muss man auch geeignete Zuchttiere auswählen. Du solltest nur Schildkröten miteinander paaren, die der gleichen Unterart angehören. Ansonsten läuft man Gefahr, dass die Babys, welche zur Welt kommen, krank sind oder Gendefekte haben. Wenn du dann eine Zuchtgruppe zusammenstellst, musst du darauf achten, dass das Verhältnis von Männchen zu Weibchen mindestens 1:3 beträgt. Hältst du nur ein Pärchen zusammen, wird das Weibchen einem enormen Stress ausgesetzt, denn das Triebverhalten der männlichen Schildkröte kann schon mal dazu führen, dass das Weibchen den ganzen Tag bedrängt wird.

Beim Zusammenstellen der Gruppe solltest du außerdem berücksichtigen, wann die Schildkröten geschlechtsreif sind. Dies kann von Männchen zu Weibchen sehr unterschiedlich sein.

Balzverhalten von Schildkröten

Sobald du die Zuchtgruppe zusammengestellt hast und die Tiere alle geschlechtsreif sind, kannst du das Balzverhalten beobachten. Besonders die männlichen Schildkröten fangen schon früh damit an, sich ihre Geschlechtspartnerinnen auszusuchen. Da Schildkröten einen sehr stark ausgeprägten Geruchssinn haben, kommt es nicht selten vor, dass die Männchen die Duftmarke der Weibchen auch über mehrere Kilometer verfolgen.

Um herauszufinden, ob sie sich für den richtigen Partner entschieden haben, beschnuppern sich die Schildkröten ausgiebig. Sofern das Männchen sich dann für eine geeignete Partnerin entschieden hat, beginnt es mit der Prozedur, das Weibchen paarungswillig zu machen. Je nachdem, welche Schildkröten Art du züchtest, kann dies sehr verschieden ablaufen. Bei einigen Arten sieht die Balz so aus, dass die männliche Schildkröte katapultartige Rammstöße ausführt, wiederum andere Arten beißen das Weibchen in die Extremitäten.

Sobald das Männchen es geschafft hat, das Weibchen zum Stehen zu bringen, steigt das Männchen hinten auf. Du kannst dabei beobachten, dass das Weibchen immer wieder versucht, zu flüchten. Erst dann, wenn das Weibchen ruhig verweilt, findet die eigentliche Paarung statt.

Die Paarung

Das Männchen befindet sich bei der Paarung auf dem Weibchen und stößt nicht selten mit weit aufgerissenem Maul Laute von sich. Erst nach einigen ?Übungen? findet die Paarung statt. Du kannst dies daran erkennen, dass sich das Männchen mit seinem Schwanznagel unter dem Panzerrand des Weibchens festhält und damit den Panzer leicht anhebt. Nun beginnen die Paarungsstöße.

Aber nur dann, wenn das Weibchen wirklich paarungsbereit ist, kann es zur Trächtigkeit kommen. Hierfür muss die weibliche Schildkröte nämlich den Kopf einziehen, so dass der Analbereich herausgestreckt wird, außerdem muss es den hinteren Teil des Panzers hochstemmen, so dass das Männchen sein Geschlechtsteil einführen kann.

Schwangerschaft und Eiablage

Schwangere Schildkröten erkennt man daran, dass sie meistens unruhig werden und weniger fressen als sonst. Aber auch eine Gewichtszunahme kann beweisen, dass ein Weibchen trächtig ist. Sofern das Weibchen legebereit ist, begibt es sich auf die Suche nach einer passenden Stelle zur Eiablage.

Durch schnelles Ein- und Ausatmen der Luft und das Auflegen des Kopfes wird dann zunächst untersucht, ob Temperatur und Luftfeuchtigkeit ideal sind. Wenn das Weibchen die Stelle als ungeeignet empfindet, begibt es sich weiter auf die Suche. Ist die Suche erfolgreich verlaufen, wird sich das Weibchen mit den Vorderbeinen in der Erde festkrallen, um so ein Loch für die Eiablage zu schaufeln. Dies kann schon mal ein bis drei Stunden dauern. Anschließend beginnt das Weibchen damit, die Eier auszupressen. Danach wird die Grube wieder mit Erde bedeckt.

Es kann aber auch vorkommen, dass Weibchen, die nicht mit einem Männchen zusammengehalten werden, Eier ablegen. Diese sind dann aber nicht befruchtet!

Inkubation

In Europa ist das Klima zur Vermehrung von Schildkröten nicht ideal. Deswegen musst du als Schildkröten Halter nachhelfen und einen Brutapparat, auch Inkubator genannt, in das Gehege stellen. An diesem stellt man dann die richtige Temperatur ein.

Je nachdem, welche Temperatur man beim Inkubator einstellt, kann man beeinflussen, ob die Babys männlich oder weiblich werden. Wenn man die Scheitelpunkttemperatur wählt, entwickeln sich gleich viele männliche und weibliche Jungtiere. Bei mediterranen Landschildkröten beträgt diese Temperatur 30 Grad Celsius. Temperaturen, welche darüber liegen, sorgen dafür, dass mehr weibliche Tiere geboren werden, bei Temperaturen unter 30 Grad wird man vermehrt männlichen Nachwuchs bekommen.

Ideale Bedingungen zum Schlüpfen

Wann die Jungtiere schlüpfen, hängt von der Schildkröten Art ab. Bei manchen Arten, wie beispielsweise der Mediterranen Landschildkröte, kann dies 50 bis 70 Tage dauern. Um die Gesundheit der Schildkröten zu gewährleisten, sollte man sich vorher genau darüber informieren, bei wie viel Grad die Scheitelpunkttemperatur liegt.

Man sollte aber daran denken, dass es häufig dann zu Totgeburten kommt, wenn die Bruttemperatur zu hoch eingestellt ist, die Eier durchleuchtet werden oder kein geeignetes Brutsubstrat verwendet wird. Spätestens ab dem letzten Drittel der Inkubation sollte man nicht mehr die Eier durchleuchten, da man sonst einen Frühschlupf auslöst.

Geburt der Schildkröten

Wenn Schildkrötenbabys schlüpfen, kann man erkennen, dass zuerst ein kleines Loch in die Eischale geritzt wird. Dann kann es bis zu zwei Tagen dauern, bis das Baby das Loch so weit vergrößert, dass es mit den Vorderbeinen aus dem Ei schlüpfen kann. Da dieses Vorgehen für Schildkrötenbabys sehr anstrengend ist, muss man ein wenig Geduld aufbringen, denn nach jeder Anstrengung ruhen sich die Babys erstmal aus.

Meistens dauert es dann noch einige Tage, bis die Schildkrötenbabys sich zusammen an die Oberfläche graben. Die Unterstützung der Mutter ist dafür nicht erforderlich.

Aufzucht der Schildkrötenbabys

Nach der Geburt der Schildkröten sollte man diese noch etwa einen Tag im Inkubator lassen, damit sie sich ausruhen können. Dann werden die Babys ungefähr fünf Minuten in lauwarmem Wasser gebadet, damit sich der Wasserhaushalt regulieren kann. Nach dem Baden sollten die Baby-Schildkröten in ein bereits eingerichtetes Terrarium gebracht werden. Besonders wichtig ist, dass man geeignetes Substrat verwendet und dieses immer feucht ist.

Wundere dich bitte nicht, wenn du die Schildkrötenbabys in den ersten Wochen nur wenig zu Gesicht bekommst. Sie sind meistens zurückhaltend und verstecken sich oft. Deine Aufgabe ist dennoch, die Babys jede Woche fünf Minuten zu baden – zumindest im ersten Monat. Nur so kann eine ausreichende Wasseraufnahme gewährleistet werden.

Sind die Babys etwa einen Monat alt, ist es Zeit, diese in das Babyfrühbeet umzusiedeln. Dieses sollte etwa 200×110 cm groß sein und aus 16 mm dicken Stegdoppelplatten, die UV-durchlässig und hoch isoliert sind, bestehen. Wichtig ist, dass du die Babys vor Greifvögeln schützt, zum Beispiel durch ein Netz oder Draht.

Was die Eirichtung des Babyfrühbeet anbelangt, so sollte der Bodenuntergrund aus einem Gemisch bestehen, zum Beispiel etwas Sand + humose Gartenerde + Floraton-3, das immer feucht gehalten wird. Als Futter dienen Pflanzen, die man schon einige Wochen vor dem Einzug gepflanzt hat. Trotzdem muss man schon zufüttern. Ebenso notwendig ist ein Spotstrahler, welcher den Schildkröten ermöglicht, sich auf die ideale Stoffwechseltemperatur zu bringen.